Besonderer Musiker auf besonderen Instrument

Nicht jedem Konzertbesucher ist klar wovon die Rede ist, wenn Gitarristen von einer »Archtop« sprechen. Bei klassischen Instrumenten hingegen, etwa dem Cello oder der Violine, ist den meisten der Anblick der gewölbten Decke (arched top; engl.) mit dem typischen »F-Loch« durchaus vertraut.

Im Gitarrenbau ist die Archtop Konstruktion eine Besonderheit: Ihre Bauart ist Synonym für genau jenen spezifischen, semi-akustischen Klang, den unter anderem Jazz-Legende Pat Metheny oder Yes-Gitarrist Steve Howe liebt.

Heutiger »Real Live Jazz« Ehrengast ist Axel Hagen (Den Haag, NL), bekennender Archtop-Spieler und Jazz-Gitarrist, der sich diesem Instrument mit Leidenschaft verschrieben hat. Das auch seine Interpretationen und Arrangements klassischer Jazz-Standards von Respekt und Hingabe motiviert sind, ist in jeder Note spürbar.

Auf einem Instrument »einfach so fantasieren«

Axels persönlicher Traum vom professionellen Jazzmusiker beginnt in der rheinischen Nachbarstadt Bonn. Gewissermaßen »schuld« daran sind die eigenen Eltern, die dem Filius vorschlagen doch ein Instrument, beispielsweise Gitarre, zu lernen.

Bezeichnenderweise stellt sich bereits der damals 12-Jährige vor wie wunderbar es wäre, auf solch einem Instrument »einfach so fantasieren zu können!« Erster, »richtiger« Lehrer für Jazz-Gitarre wird der seinerzeit frisch aus Berklee (USA) zurückgekehrte Paul Shigihara, heute Gitarrist der WDR Big Band.

Hochschule Hilversum: Anlaufstelle für junge Jazz Musiker

Auch die nächste Anlaufstation in Richtung Professionalität ist ein Glücksfall: Die »Amsterdamse Hoogeschool voor de Kunsten« – Afdeling Hilversums Conservatorium« ist in den 1980er und 90er Jahren einer der Orte in Europa, an denen ernsthaft Interessierte Jazz studieren. Es hat sich bereits herumgesprochen, dass der Lehrkörper ausnahmslos aus erstklassigen Musikern wie Ack und Jerry van Rooyen, Wim Overgauw, Victor Kahiatu, Bart und Erik van Lier, Kenny Napper, Jan Huydts und weiteren, festen Größen der europäischen Jazz Szene besteht.

Alle Hochschuldozenten verfügen über intensive Spielerfahrung mit bedeutenden Jazz Protagonisten ihrer Zeit wie Ben Webster, Dexter Gordon, Chet Baker, Art Taylor oder Kenny Clarke – und haben ihr Wissen aus erster Hand. Im Rahmen von Masterclasses geben sich Gastdozenten wie Mel Lewis, Woody Shaw, Jack DeJohnette, Clare Fischer, Horace Parlan oder Red Mitchell die Klinke in die Hand.

Axel Hagen / Chuck Israels Quartett

Während Axel Hagen (*1963) dem Publikum in der Heimat »immer noch skandalös unbekannt ist« (Alexander Schmitz, Jazzpodium), wissen Ikonen des Genres wie Billy Bauer oder Chuck Israels seine außergewöhnlichen Fähigkeiten längst zu schätzen. Letzterer gründet gemeinsam mit ihm das Chuck Israels / Axel Hagen Quartett, eine Zusammenarbeit, aus der u.a. die CD »Chaconne a son gout« entsteht.

Auch in den Niederlanden erkennt die Fachwelt das Talent des musikalischen Nachwuchsgitarristen früh: Schon während des Studiums arbeitet Axel regelmäßig als Freelancer für Jazz-Produktionen des weltweit angesehenen »Metropole Orchestra« (NL), einer Art zum Orchester erweiterten Pendant zur hiesigen WDR Big Band.

Im Rahmen zahlloser Radio- und CD Aufnahmen arbeitet er unter anderem zusammen mit Herbie Hancock, Tommy Flanagan, Clare Fisher, Lee Konitz, Bill Holman und Tom Harrel. Die in Köln lebende, inzwischen preisgekrönte Sängerin Fay Claassen wählt ihn im Jahr 2000 zum Duopartner für ihre Debut CD »With A Song In My Heart«.

Der »Soft spoken Gentleman with impeccable taste«

Längst gehört der »Soft spoken Gentleman with impeccable taste« – so Metropole Orchestra Dirigent Rob Pronk – zu den Ausnahmeerscheinungen unter den Jazzgitarristen in Europa. Nur wenigen Musikern seiner Generation ist es gelungen, innerhalb des Genres »Be Bob« eine so feinsinnige, melodische Sprache von eigener Schönheit zu entwickeln. In seinem Akkordspiel, auf der Jazz-Gitarre anerkanntermaßen noch mal eine ganz eigene Disziplin, integriert er neben Einflüssen der »Tristano Schule« die harmonische Komplexität der klassischen, europäischen Musiktradition: Effektiv und erfrischend unprätentiös.

Gefragter Lehrer und Lektor

Axel Hagen ist längst auch als Lehrer und Lecturer gefragt: Wenn er in seinen Vorträgen das Geschichtsbuch der Jazzgitarre aufschlägt, fällt das Zuhören leicht. Lebendig und publikumsnah vermittelt er sein profundes Musikwissen von Bach über Blues bis hin zu brasilianischer Musik und begeistert Laien wie Fachleute gleichermaßen. Seiner geliebten Archtop hat er tief in die Seele geschaut und 1:1 von Persönlichkeiten, wirklichen Meilensteinen der Geschichte des Instruments, gelernt. Pat Metheny Idol Jimmy Raney (1927-1995) beispielsweise trifft er 1993 in Louisville, KY persönlich.

Axel Hagen, Gitarrenbauer Daniel Slaman und Pat Metheny

Axel arbeitet eng mit dem niederländischen Gitarrenbauer Daniel Slaman zusammen und stellt auf YouTube regelmässig Archtop Gitarren aus dessen Werkstatt vor. Angetan von seinen Videos ist offensichtlich auch Pat Metheny, der kürzlich darüber twitterte!

Gastgeber von »Die Einladung« sind neben Real Live Jazz Kurator Riaz Khabirpour der Kölner Henning Gailing, ein, wie Saxofon Legende Lee Konitz zu berichten weiß »excellent basser«, der über Spielerfahrung mit u.a. Joe Diorio, John Ruocco, Eathon Iverson, Jochen Rückert, Jesse van Ruller, Jorge Rossy und anderen »first class playern« wie Peter Bernstein, Philipe Catherine oder Mark Murphy verfügt.

Außerdem meine Wenigkeit Peter Kahlenborn am Schlagzeug als, wie Musikfreunde schreiben unaufdringlicher, phantasievoller und im richtigen Moment zupackender Begleiter an den Trommeln, Autor dieses Blogs und Leader des gleichnamigen »Peter Kahlenborn Trio« mit Ralph Beerkircher und Tobias Hoffmann (git).

Langjährige Freundschaft

Axel und mich verbindet eine lange Freundschaft – auch ich studiere  Anfang der 1990er in Hilversum. Ich habe Axel viel zu verdanken – er hat mich eigentlich in den Jazz eingeführt. Als ich nach Holland kam kannte ich so gut wie nichts. Axel kam dauernd mit neuen Platten um die Ecke, transkribierte ständig Musik, organisierte Sessions und Projekte und verschaffte mir Gelegenheit mit Musikern wie Lee Konitz, John Ruocco, Frans Elsen und Jimmy Halperin aufzunehmen und zu touren. Bis heute überrascht Axel mich immer wieder mit fantastischer, mir bis dato unbekannter Musik.

»Heimlich« schon länger ein Trio

»Heimlich« treffen wir uns als Trio schon eine Weile. Beispielsweise dann, wenn Axel, Hochschuldozent für Jazz-Gitarre in Würzburg »auf dem Weg zur Arbeit« in Köln Station macht. Motivation dieser lockeren Jam-Sessions ist reine Spielfreude, gegenseitiger Respekt und das gemeinsame Interesse an Originaler (Jazz) Musik ebenso wie dem Experimentieren mit ausgefallen Improvisationsvorlagen, etwa einem Präludium aus dem »Clavier-Büchlein für Wilhelm Friedemann Bach« von 1720. Mit entsprechend facettenreichen, ungezwungen vorgetragenen Beiträgen ist auch am Sonntag, den 04.11.2018 | 19:30 h im ABS, Gottesweg 135, Köln-Klettenberg zu rechnen.

Eintritt und die Kunst der Aufnahme von Lichtnahrung

Unabhängig vom Geldbeutel soll es jedem möglich sein, ABS Konzerte zu besuchen. Der Eintritt zu Real Live Jazz ist wie immer frei! Da Konzerte andererseits mit Unkosten verbunden, und die auftretenden Musiker die Kunst der Aufnahme von Lichtnahrung nicht beherrschen sind Spenden erwünscht. Empfohlen wird eine Spende von 15 € pro Person, Kinder, Studenten und Bedürftige die Hälfte. Wer nichts zahlen kann oder möchte ist dennoch ebenso herzlich willkommen!

Weiterführende Links zum Schluss

Axel Hagen (git) Webseite Facebook Twitter Email Video (Guitaarfestival Den Haag), Henning Gailing (b) Webseite YouTube Email und natürlich diese Webseite, auf der es einige der angesprochenen CDs auch zu kaufen gibt.

Hier noch mal die Veranstalter Adresse: ABS-Club, Restaurant, Kneipe, Bar und Club | Gottesweg 135 | 50939 Köln-Klettenberg | Tel. 0221-2400 000

Jazz Up Your Life!