Bodenhaftung - auch ohne Bass

Die Band mit dem Bassisten der nie kam

Seit 2012 spielen wir zusammen »Trio« - die Kölner Jazz Gitarristen Ralph Beerkircher und Tobias Hoffman, und ich, Peter Kahlenborn, Schlagzeug. Die eher Jazz untypische Besetzung entsteht zunächst unbeabsichtigt: unser vierter, zur Quartett Session verabredete Mann erscheint nicht. Während wir, auf den Bassisten wartend, intuitiv und absichtslos »herumspielen« entsteht eine immer spannender werdende, für uns neue Musik!

Als Ensemble harmonieren wir wunderbar, und der ungewohnte Trio Sound klingt angenehm frisch. Durch die »fehlenden« Tiefen entsteht eine klangliche Transparenz, die ganz neue Möglichkeiten bietet: eine Tür in das nächste, unbekannte Musik Universum öffnet sich. Wir lernen »basslos ist nicht gleich bodenlos«, und eine »Bassfunktion« lässt sich bei Bedarf auf vielfältig gestalten.

Warum der Bassist nicht kam haben wir nie erfahren. Aber die vermeintliche Panne entpuppt sich als glückliche Fügung. Das Spielen im Trio macht wahnsinnig Spaß: We want more!

Trio aus Überzeugung

Über diesen spezifischen Trio Klang hinaus hat sich inzwischen ein für mein Gefühl spezifischer Band Sound geformt. Charakteristisch sind spontane Stimmungswechsel zwischen ungehemmt explosiv und feinsinnig transparent. Typisch sind Gegensätze wie komplexe und einfach strukturierte Kompositionen, oder die organische Entwicklung von komplexen Themen bis zur freien Improvisation.

Das wir der Musik alle Türen öffnen geschieht bewusst: Melodie, Harmonie und Groove sind ebenso legitime Optionen wie abstrakte Klangkollagen, elektronisch verfremdete Sounds, plötzliche Groove und Tempowechsel oder das Rubato Spiel. Auch in freien Parts wird die Musik nie beliebig. Es gibt immer eindeutige Bezüge - und wenn mal nicht, dann wird auch das als Stilmittel verwendet.

Qualitätsmerkmal Authentizität

Passion, Authentizität und Leidenschaft sind Qualitätsmerkmale, die meine persönlichen Vorbilder in der Musik ausmachen.

Immer besser darin zu werden, die innerlich gehörte Musik unzensiert zu Wort kommen zu lassen erfordert konsequentes Arbeiten an sich Selbst, Mut zur Lücke und die Entschlossenheit, die spieltechnischen Hürden (s)eines Instruments zu meistern. Diesem wiederum sehr Jazz typischen Ideal eifere ich nach.

Improvisation: Schulung in Veränderungskompetenz

Eine improvisierende Band ist eine optimale Schule für Veränderungskompetenz. Improvisation zwingt auf sanfte Art und Weise dazu konstruktiv zu verwerten - was auch immer spontan, im musikalischen Dialog entsteht. Ständige Veränderung, das ist sozusagen die einzig verlässliche Konstante in der Improvisation. Man hat nur den Moment. Das schult. Die Ohren, das Reaktionsvermögen, die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten, und die Bereitschaft sich einzulassen.

Musikalische Einflüsse

Ralph Beerkircher kommt ursprünglich von der Klassik, und kam über europäische Jazz Gitarristen wie Ralph Towner zur improvisierten Musik. Darüber hinaus gilt er in Fachkreisen als Spezialist für zeitgenössische (Gitarren-) Musik. Wie zutreffend diese Einschätzung ist beweist er unter anderem mit »Shraeng«, dem Duo mit seinem langjährigen Partner Frank Wingold (git). Das Ralph als Jazz Gitarrist Außergewöhnliches zu erzählen hat dokumentiert unter anderem seine Quartett CD "Morphin".

Blues, Rock und Surfmusik

Tobias Hoffmanns Weg zum Jazz führt über den amerikanischen Blues, Rock, und Surf Musik. Er ist Teil jener Szene jünger Musiker, die erfrischend unkonventionell Altes und Neues, Fremdes und Originales miteinander verbinden. Das dokumentiert unter anderem seine aktuelle Trio CD, oder der geniale Surfmusik Aufguss »Expressway Sketches«. Prädikat »extrem hörenswert!«

Mehr zu Tobias' Trio CD »11 Songs Tenderly Messed Up« in diesem Blogbeitrag.

Schubert, ABBA, Genesis und der Jazz

Ich selbst bin recht unspektakulär mit Schubert Liedern, ABBA Songs, Konstantin Wecker, später Genesis und Chaka Khan groß geworden. Zum Jazz kam ich erst spät - und eigentlich wieder Willen. Udo Dahmen, heute Leiter der Pop Akademie Mannheim, stufte mich bei ersten Workshops in Hamburg als »filigranen Jazzer« ein - lange bevor ich mir unter Jazz überhaupt etwas vorstellen konnte. Udo Dahmen war es auch, der mich auf Schlagzeuger wie Elvin Jones und Jack DeJohnette aufmerksam machte.

Schließlich habe ich in Holland Jazz studiert. Grundlagen des Studiums waren "The American Song Book" und die Be-Bop Ära. Gleichzeitig haben mich viele ECM Platten der 80er und 90er Jahre geprägt, auf denen europäische und amerikanische Musiker eine seinerzeit ganz neue Musik kreierten. Zu den eigentlichen Jazzwurzeln - ich denke da an afrikanische Musik (Rhythmus), Blues (Message), New Orleans (Verschmelzung verschiedener Ursprünge) - bin ich erst verhältnismäßig spät vorgestoßen.

Unsere Kompositionen

Unser aktuelles Programm mit dem lateinischen Titel »Vesica Pisces« (dtsch: Fischblase) besteht ausschließlich aus Eigenrepertoire. Ralphs Kompositionen sind meist detailliert, von der (modernen) Gitarre aus gedachte Arbeiten. Tobias Beiträge haben eher den Charakter von Songs, wohingegen meine Werke gerne eine Mischung von beidem sind. Sie entstehen in dem immer gleichen Prozess: ich schreibe bis ich mir sicher bin dass die Musik auf dem Papier exakt wiedergibt was ich innerlich höre.

Gratis Tracks für Dich!

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Geteilte Freude ist ...

Gerade ist meine erste, eigene CD mit Ralph Beerkircher (git), Tobias Hoffmann (git) und Peter Kahlenborn (dms) erschienen!

Freu Dich mit: Sag mir wohin ich Dir Musik schicken soll, und ich schenke Dir 2 komplette Tracks in bester Audio Qualität. Einfach so.